Die Bedeutung von Wasser & Fahrrädern

Wasser und Fahrradfahren gehören eng zusammen.  Der durchschnittliche Tour-de-France Fahrer trinkt bis zu 10 Liter Wasser täglich – und 210 Liter während der gesamten 21 Etappen. Aber, für viele Menschen rund um den Globus stehen Wasser und Fahrräder in einem ganz anderen Zusammenhang.

Während ein Profisportler beim Radfahren Wasser für den sportlichen Erfolg benötigt, fahren – oder laufen – Menschen in Entwicklungsländern kilometerweit um ihre Familien mit Wasser zu versorgen. Die Wasserversorgung ist weltweit vielerorts immer noch besorgniserregend und immer mehr Länder erkennen, dass das Fahrrad ein effizientes Mittel zum Transport von sauberem Wasser ist.

Wasserversorgung als Grundproblem

Women Walking with Water Cans on Their Heads
Von Kenia bis Simbabwe, in allen Regionen, in denen World Bicycle Relief tätig ist, ist sauberes Wasser Mangelware und die meisten Haushalte verfügen nicht über fließendes Wasser. Die Menschen müssen sich ihr Wasser mühsam in Kanistern von teils weit entfernten Brunnen holen. Weltweit haben 844 Millionen Menschen keinen direkten Zugang zu sauberem Wasser.

Allein in Sambia sind 5 Mio. Haushalte auf Wasser aus sogenannten Bohrlöchern angewiesen. Statistiken von WHO und UNICEF zeigen, dass in der Regel Frauen und Kinder für das tägliche Wasserholen zuständig sind. Durschnittlich legen sie dabei insgesamt 10 Kilometer zurück. Schätzungen zufolge verbringen Frauen und Kinder täglich weltweit 200 Millionen Stunden für das Wasserholen. Diese Zeit fehlt ihnen an anderer Stelle und wirkt sich negativ auf ihr Leben aus.

Tamara Fetching Water from Nearby Pond

Sambia: Tamara ist für das tägliche Wasserholen verantwortlich.

Schulkinder in Sambia sind meist für den Erhalt der Lebensgrundlage ihrer Familien mit verantwortlich. Sie sind gezwungen das tägliche Wasserholen, den langen Marsch zur Schule und die Hausaufgaben unter einen Hut zu bringen. Wenn die Fortbewegung zu Fuß die einzige Option ist, ist die Schulbildung häufig das erste, was auf der Strecke bleibt.

Für Frauen ist das Dilemma ähnlich. In Subsahara-Afrika repräsentieren Frauen 40% der Arbeitskräfte, aber verbringen 40 Milliarden Stunden jährlich mit Wasserholen. Dadurch fehlt ihnen die Zeit für eine Erwerbstätigkeit und die Möglichkeit, ihre Talente zu verwirklichen und zum Familieneinkommen beizutragen.

Das Versorgungsproblem bei wasserbezogenen Krankheiten

Mother and child at a health clinic

Der Marsch zur nächsten Wasserstelle mag zeitaufwendig sein und dennoch ist er in Sambia überlebenswichtig. Sauberes Wasser verbessert die Hygiene, reduziert die Gefahr von wasserbezogenen Krankheiten und trägt so zum allgemeinen Gesundheitszustand bei. Verunreinigtes Wasser – häufig verursacht durch fehlende sanitäre Einrichtungen – ist und bleibt besorgniserregend. Vor allem Kleinkinder sind betroffen. Allein in Sambia sterben jährlich etwa 2.000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Durchfallerkrankungen verursacht durch kontaminiertes Wasser.

Robert, a Malaria healthcare provider

Sambia: Robert arbeitet als Krankenpfleger im Rahmen von World Bicycle Relief’s Programm zur Reduzierung von Malaria. Foto: Laura Newman/PATH.

Auch Malaria ist eine dieser risikoreichen wasserbedingten Krankheiten. In Subsahara-Afrika ist die tödliche Krankheit ist so weit verbreitet wie nirgends auf der Welt. 90 Prozent der 212 Mio. Malariafälle im Jahr 2015 wurden in Subsahara-Afrika registriert. Die Mücken, die Malaria verursachen, legen ihre Eier in stehenden Gewässern ab. Einmal geschlüpft, stellen diese Insekten eine ernsthafte Gesundheitsgefahr für nahe gelegene Dörfer dar.

In Zusammenarbeit mit der Malaria Control and Elimination Partnership in Africa (MACEPA) implementierte World Bicycle Relief ein Programm, durch das 1.500 Buffalo-Fahrräder in die Hände von Krankenpfleger*innen übergeben wurden. Die auffallend orangefarbenen Fahrräder machen die Helfer*innen mobil und sparen ihnen viel Zeit. Ausgestattet mit Moskitonetzen, Diagnose- und Behandlungsmitteln werden sie in ihren Gemeinden sehr geschätzt. “Wenn [die Leute] die Fahrräder sehen, wissen sie, dass wir kommen, um die Malaria zu bekämpfen, “ sagt Robert, einer der Mitarbeiter des Programms. “Alle freuen sich, uns zu sehen.”

Was kann ein Fahrrad verändern?

Ethel & friend on bicycle to school

Das tägliche Wasserholen ist unumgänglich. Doch weder Gesundheit, Sicherheit, noch Bildung sollten dafür auf der Strecke bleiben. Buffalo-Fahrräder ermöglichen den Zugang zu Wasser und erleichtern den Transport. Im Vergleich zum Laufen, ist Radfahren viermal so schnell und erhöht die Transportkapazität einer Person um das Fünffache.

Wenn Kinder – vor allem Mädchen – mit Hilfe von Fahrrädern Zeit und Energie beim Wasserholen sparen, können sie sich besser auf die Schule konzentrieren. Sobald der tägliche Kampf die Grundbedürfnisse zu erfüllen wegfällt, erhalten Kinder die Möglichkeit sich zu entfalten. Jede Investition in Bildung setzt einen Multiplikatoreffekt für das Wohl der gesamten Gemeinde in Gang.

Der direkte Effekt unseres Bicycles for Educational Empowerment Programms (BEEP) in Sambia ist bemerkenswert. Umfragen an Schulen belegen sinkende Schulabbruchsraten, steigende Leistungen und höhere Anwesenheitsraten.

Woman on Bike with Water, Smiling

Noreen transportiert Wasser auf ihrem Fahrrad.

Ganze Gemeinden profitieren davon, wenn die Kinder die Chance erhalten sich auf das Lernen zu konzentrieren und ihre Träume zu verfolgen. Viele haben echte Ambitionen und wollen es für ihre Familien später einmal besser haben. Sie träumen davon, Arzt oder Lehrer zu werden oder ein Geschäft aufzubauen und wollen sich für ihre Gemeinden einsetzen. Der Wille ist da, sie müssen nur die Chance bekommen. 

“Von klein an träumte ich davon, ein Fahrrad zu haben. Dieser Traum wurde Wirklichkeit,” erzählt Monica, eine Schülerin aus dem Chongwe Distrikt in Sambia, die ihr Buffalo-Fahrrad täglich nutzt. “Ich glaube daran, dass sich auch mein Traum Krankenschwester zu werden, erfüllen wird.”

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